Geisterfetzenfische in 16 Metern: Koh Doc Mais Makro-Steilwand
19 เมษายน 2569
Koh Doc Mai, Phukets einziger Steilwand-Tauchplatz, bietet auf 30 Metern Kalkstein Geisterfetzenfische, Seepferdchen und über zehn Nacktschnecken-Arten. Ein Makro-Foto-Guide.
Vier Geisterfetzenfische schweben reglos an der Ostwand von Koh Doc Mai in 16 Metern Tiefe, jeder einzelne kaum von der Gorgonienfächer zu unterscheiden, den er imitiert. Dieser Kalksteinfelsen 20 Kilometer östlich von Phuket fällt vom Wasserspiegel bis auf 30 Meter nahezu senkrecht ab — kein Sandhang, kein Korallengarten, nur eine vertikale Wand voller Makro-Motive von der Oberfläche bis zum Grund.
Was diese Wand besonders macht
Die meisten Tauchplätze Phukets sind Riffhänge oder Unterwasserfelsnadeln. Koh Doc Mai — auf Thai „Blumeninsel" — ist eine Kalksteinklippe, die unter Wasser die gleiche fast senkrechte Geometrie beibehält wie über der Oberfläche. Sowohl die Ost- als auch die Westwand reichen über 25 Meter hinab, wobei die Ostwand geschützter liegt und häufiger betaucht wird.
Der Kalkstein selbst ist der Schlüssel. Löcher, Überhänge und flache Spalten bilden Tausende von Mikrohabitaten in jeder Tiefenzone. Nacktschnecken stecken in Ritzen. Seepferdchen klammern sich an Gorgonienstiele. Geisterfetzenfische treiben neben Peitschenkorallen, die waagerecht aus der Wand wachsen. Die Dichte an kleinen Lebewesen pro Quadratmeter ist für die Andamanensee bemerkenswert — und der Platz liegt nur 45 Bootsminuten vom Chalong Pier entfernt.
Makro-Bestandsaufnahme der Ostwand
Zwischen 5 und 12 Metern überziehen Weichkorallen und kleine Gorgonien die Wand. Blaue Drachen-Nacktschnecken (Pteraeolidia ianthina) fressen hier an Hydrozoen, oft in Gruppen von drei bis vier. Flabellina, Phyllidia und Glossodoris erscheinen in regelmäßigen Abständen — zehn oder mehr Nacktschnecken-Arten pro Tauchgang sind eher Regel als Ausnahme.
Auf 16 bis 19 Metern ändert sich der Charakter. Diese Zone gehört den Geisterfetzenfischen und Seepferdchen. Tigerschwanz-Seepferdchen halten sich an Gorgonienstielen nahe dem Höhleneingang fest, während Geisterfetzenfische paarweise oder in kleinen Gruppen schweben und sich kaum von den umgebenden Bruchstücken abheben. Der Bereich direkt unterhalb des Höhleneingangs — ungefähr 16 bis 19 Meter — ist die zuverlässigste Stelle der gesamten Insel für beide Arten.
Unter 20 Metern wird die Wand steiler und die Strömung nimmt zu. Pfauen-Fangschreckenkrebse patrouillieren im Schuttfeld am Wandfuß. Peitschenkorallengarnelen sind so gut getarnt, dass sie ohne konzentrierten Lichtstrahl kaum zu entdecken sind. Gelegentlich finden sich Anglerfische flach gegen Schwammkolonien gedrückt — eine Belohnung für den Fotografen, der geduldig Fläche für Fläche mit der Tauchlampe absucht.
In der Grotte
Ein schmaler Eingang an der Ostwand auf etwa 15 Metern führt in Koh Doc Mais bestgehütetes Geheimnis: eine Kalksteinhöhle mit einem geräumigen Innenraum, einer Säulenformation und einer Luftkuppel an der Decke. Der Durchgang ist eng genug, dass nur ein Taucher gleichzeitig hindurchpasst, doch dahinter weitet sich der Raum.
Tanzende Garnelen hängen in Gruppen von zehn oder mehr an den Höhlenwänden. Weißaugen-Muränen schlängeln sich durch Spalten nahe dem Eingang. Für Fotografen bietet die Höhle Chance und Herausforderung zugleich: Die Motive sind verlässlich da, doch der begrenzte Raum verlangt präzises Tarieren und sorgfältige Blitzpositionierung, um Rückstreuung durch aufgewirbelte Sedimente zu vermeiden. Ein kurzes Kameragehäuse ohne Armverlängerungen macht den entscheidenden Unterschied.
Sichtweiten und Strömung
Koh Doc Mai ist ganzjährig betauchbar — anders als die Similan-Tauchplätze, die von Mai bis Oktober geschlossen sind. Die Hauptsaison erstreckt sich von November bis April mit Sichtweiten von 15 bis 25 Metern und Wassertemperaturen zwischen 27 und 30 °C.
Die Bedingungen schwanken stärker als an anderen Phuket-Tauchplätzen. An einem Tag können es 30 Meter Sicht sein, am nächsten weniger als fünf. Die Strömung verläuft in der Regel Nord-Süd oder umgekehrt und ist an den meisten Tagen moderat. Die Westwand bei Springtide ist eine andere Geschichte — stark genug für einen echten Strömungstauchgang, ideal für erfahrene Taucher.
Selbst während des Südwestmonsuns (Juni bis September) schirmt Phukets Landmasse die Insel vor dem schlimmsten Wellengang ab. Mehrere Tauchbasen fahren den Platz auch in der Nebensaison an, obwohl die Sicht auf 5 bis 10 Meter sinkt. Makrofotografen schätzen das möglicherweise sogar: Ein grünlicher Wasserhintergrund hebt die Motive besser von der Wand ab als offenes Blau.
Von Chalong Pier zur Steilwand
Fast jeder Phuket-Tagesausflug auf der Shark-Point-Route beinhaltet Koh Doc Mai als einen von drei Tauchgängen. Die Standardroute umfasst Shark Point, das King-Cruiser-Wrack und Koh Doc Mai — die Reihenfolge hängt von der Tagesströmung ab. Die Boote legen zwischen 08:00 und 09:00 Uhr am Chalong Pier ab, mit Hotelabholung aus Patong, Kata oder Karon ab etwa 07:00 Uhr.
- Ablauf — 3 Tauchgänge, ganztägig, Rückkehr gegen 16:00–17:00 Uhr
- Preisspanne — 3.700–4.500 THB pro Person (brevetierter Taucher, Ausrüstung inklusive)
- Meereszugangsgebühr — 500 THB bar, an Bord zu entrichten
- Bootsfahrt zum Platz — circa 45–60 Minuten ab Chalong
- Nitrox — auf den meisten Booten verfügbar, Aufpreis 200–300 THB pro Flasche
Koh Doc Mai ist normalerweise der dritte Tauchgang des Tages, weshalb die Grundzeit großzügig ausfällt — 50 bis 65 Minuten in 5 bis 18 Metern. Makrofotografen, die den Geisterfetzenfisch-Bereich in der Tiefe ausgiebig abarbeiten möchten, sollten den Platz als ersten oder zweiten Tauchgang anfragen. Bei drei Tauchgängen über 20 Meter unbedingt die Oberflächenpause im Blick behalten.
Kameraeinstellungen für eine Steilwand
Wandtauchgänge erfordern einen anderen Ansatz als flache Riffe. Die Motive haften an einer vertikalen Fläche, die Kamera muss also waagerecht oder leicht nach oben gerichtet werden. Nach oben gegen blaues Wasser zu fotografieren isoliert das Motiv und vermeidet den unruhigen Fels-Hintergrund.
- Objektiv — 60 mm oder 105 mm Makro (Vollformat-Äquivalent) für Seepferdchen und Geisterfetzenfische; Nahlinse mit Klappadapter für Nacktschnecken unter 15 mm
- Blitze — doppelt, im 45°-Winkel nach außen gerichtet, um Rückstreuung an der Wand zu minimieren; Diffusoren für Weichkorallen-Nahaufnahmen
- Fokuslicht — unverzichtbar; ohne Einstelllicht sind Geisterfetzenfische nahezu unsichtbar
- Tarierung — eine Hand an der Kamera, keinerlei Riffkontakt; ein kürzeres Setup ohne Armverlängerungen erleichtert den Höhlenabschnitt
Die Blaue Drachen-Nacktschnecke — die häufigste Art hier — lässt sich am besten auf Augenhöhe an ihrem Fressplatz fotografieren. Mit neutraler Tarierung auf der Tiefe des Tieres schweben, die Rhinophoren scharf stellen und waagerecht auslösen. Die Technik funktioniert bei praktisch allen Nacktschnecken-Arten an dieser Wand.
Für wen eignet sich Koh Doc Mai
Die geschützte Ostwand bei ruhigen Bedingungen eignet sich für Open-Water-Taucher, die mit Wandorientierung und leichter Strömung vertraut sind. Die Mehrheit der Makro-Motive lebt in den oberen 18 Metern.
Die Höhle hebt die Anforderungen an. Präzises Tarieren und Bewusstsein für Overhead-Umgebungen sind Pflicht — Advanced Open Water oder vergleichbare Erfahrung ist ein vernünftiges Minimum. Die Westwand bei Springtide ist ein echter Strömungstauchgang, der Erfahrung im bewegten Wasser voraussetzt.
Für Fotografen belohnt Koh Doc Mai Geduld und ausgefeilte Tarierung mehr als teure Ausrüstung. An einer Wand stillzustehen, während man eine 2-Zentimeter-Nacktschnecke einrahmt, ist deutlich anspruchsvoller als jeder Makro-Schuss auf flachem Sand. Einsteiger in die Unterwasserfotografie finden auf einem Sandhang leichtere Bedingungen; diese Wand ist der Ort, an dem sich Übungsstunden auszahlen.
Anfang 2026 melden mehrere Phuket-Tauchbasen durchgehend stabile Sichtungen von Geisterfetzenfischen und Tigerschwanz-Seepferdchen in der laufenden Hauptsaison. Die Sichtweiten an der Ostwand lagen im Februar und März 2026 durchschnittlich bei 15 bis 20 Metern, mit einzelnen Tagen über 25 Meter — im Rahmen typischer Hauptsaison-Verhältnisse. Der Platz bleibt einer der am meisten unterschätzten Stopps auf einer Thailand-Tauchreise.
























